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August/September 2011

Deshalb macht die Kurtaxe Sinn

Da gibt es an die 350 Heilbäder und Kurorte in Deutschland, wovon etwa 270 im Deutschen Heilbäderverband (DHV) vertreten sind. Und wo Kurort dran steht – ist meist auch Kurtaxe drin. Denn: die Einwohner der Kurorte sehen nicht unbedingt ein, warum sie den Gästen „ein schönes Leben“ finanzieren sollen – also kulturelle Highlights, gepflegte Kurparks und saubere, bewachte Badestrände. Darum ist die Kurtaxe vielfach dafür die notwendige Voraussetzung – auch vergünstigte Theater- oder Museumsbesuche ebenso eingeschlossen wie andere Vorteile, etwa im örtlichen Busverkehr. Kein Wunder, dass der DHV sich da für Aufklärung einsetzt. Vor allem auch, wenn öffentliche Kritik wie kürzlich beispielsweise vom ADAC kommt.

Künstlerische Extras

So tragen Kurabgaben etwa auch dazu bei, dass im württembergischen Bad Wildbad bei einem Schumann-Wochenende im August das musikalisch-künstlerische Verhältnis zwischen Clara Schumann und dem Klaviervirtuosen Franz Liszt dargestellt werden – einschließlich passender Spaziergänge durch die Enzanlagen mit der Regisseurin Lea Ammertal und einer Gesprächsmatinee. Aber auch sonst leben vielerlei kulturelle Veranstaltungen von Beiträgen aus der Kurtaxe, etwa die jüdischen Kulturtage in Überlingen am Bodensee mit Workshop und jüdisch-israelischem Dinner.

Sportliche Extras

Dass die Fahrrad-Draisine durchs Glantal intensive Naturerlebnisse möglich macht, hat auch mit Beiträgen zu tun, die von den Kurgästen in die Kurtax-Kasse fließen. Wenn in Thüringen Friedrichroda im September zu den 17. Kneipp-Naturheiltagen einlädt, ist das auch ein spezieller Service vorwiegend für die Gäste. Wobei sich kürzlich bei einem Besuch im Kneippianum Bad Wörishofen DHV-Präsident Dr. Gerd Müller von der historischen Leistung dieses Pfarrers für die Entwicklung der ganzheitlichen Medizin überzeugte.

Nach Kneipp kochen – für alle

Und wenn das hessische Bad Endbach zum 750-jährigen Ortsjubiläum ein neues Gieskannenmuseum in Gießen unterstützt, zeigt das, wie eng die Verbindung mit der früheren einfachen und ebenso erfolgreichen Wasserkur noch immer ist. Dass in diesem traditionsreichen Kneipp-Heilbad nun auch noch ein Kneipp-Kochbuch neu verfasst wurde mit 80 passenden Rezepten, lässt auch die leckere Seite der geschichtsreichen Kur lebendig werden.

Vorbeugen in der Zukunft

Beim Besuch des DHV-Präsidenten in Bad Wörishofen wurde auch klar, dass in Zukunft die Prävention (Vorbeugung) als vollwertige vierte Säule im Gesundheitswesen neben Kuration, Reha und Pflege stehen muss. Damit dies noch erfolgreicher umgesetzt wird, hat der DHV kürzlich auch eine eigene Service-Gesellschaft gegründet, die ihren Sitz ebenfalls in Berlin hat (und dessen Geschäftsführung DHV-Geschäftsführer Markus Schneid zusätzlich übernommen hat).

Diese Deutsche Kurorte-Gesellschaft (DKG)

  • soll die Entwicklung medizinischer und therapeutischer Konzepte sowie deren qualitative Kontrolle unterstützen,
  • gesundheitstouristische und wirtschaftliche Strukturen entwickeln und umsetzen,
  • die Forschung fördern sowie
  • Marketingkonzepte ebenso durchführen wie auch Marktforschung und Markenentwicklung.

Ganz offensichtlich wird hier auch an die guten Erfahrungen mit dem früheren Wirtschaftsverband Deutscher Heilbäder und Kurorte angeknüpft, der neben dem Deutschen Bäderverband (DBV) in der alten Gesellschaftsform mit Einzelmitgliedern bestand. Dann wandelte sich in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts der einst 1892 gegründete Verband zu einem Verband der Verbände – dem Deutschen Heilbäderverband, der die Heilbäderverbände der einzelnen Bundesländer sowie den Verband Deutscher Badeärzte e.V. und die Vereinigung der Bäder- und Klimakunde einschließt.

Herbstlich wertvoll – inklusive Musik und Natur

Wer denn die ganzen herbstlichen Wanderpauschalen und Programme der Heilbäder nützt, ist auch im ausklingenden Sommer sozusagen auf der „Sonnenseite“ des Lebens – ob bei den Kräutertagen im oberbayerischen Bad Heilbrunn, bei der Herbstwanderwoche auf der Schwäbischen Alb in Bad Ditzenbach – oder auch mit dem Mountainbike etwa in Bad Münstereifel, wo auch Workshops über Reparaturen und Radpflege das Thema umfassend abdecken. Wandergenüsse mit Augen- und Gaumenschmaus in Höchenschwand, Rad- und Wanderbausteine für NaturZeit-Angebote in Villingen-Schwenningen oder – künstlerisch wertvoll – bei der bereits 12. Mattheiser Sommer-Akademie in Bad Sobernheim mit dem Schwerpunkt „Musik und Natur“ – die Heilbäder und Kurorte stehen wie eh und je nicht nur für körperliches, sondern auch für seelisches Wohlbefinden. Kunst und Kultur, Aktivitäten und Geselligkeit haben dabei einen ganz hohen Stellenwert. – ass -

 
 
   


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