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November 2009

Nach der Bundestagswahl

Alt und neu in der Kur- und Tourismuslandschaft

Was sich unter der neuen Bundesregierung im Kur- und Tourismusbereich ändert, muss natürlich abgewartet werden. Doch bei den handelnden Personen hat sich der Nebel gelichtet. So bleibt der Präsident des Deutschen Heilbäderverbands, Dr. Gerd Müller (CSU), weiterhin Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Dr. Müller ist Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Kempten, Lindau und Oberallgäu und wurde 2008 zum DHV-Präsidenten gewählt.

Neuer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium wurde der FDP-Abgeordnete des Wahlkreises Tuttlingen-Rottweil, Ernst Burgbacher. Ein Schwerpunkt seiner Aufgabe wird die Tourismusförderung sein.

Ob der Straubinger CSU-Abgeordnete Ernst Hinsken Tourismusbeauftragter der neuen Bundesregierung bleibt, war bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht entschieden. Er war jedenfalls maßgeblich daran beteiligt, dass der Koalitionsvertrag vorsieht, den Mehrwertsteuersatz für Übernachtungen schon ab 1. Januar 2010 von bisher 19 auf 7 Prozent zu senken – ein "Teilerfolg für das Gastgewerbe" (Dehoga-Präsident Ernst Fischer), "wodurch Hotels und Gasthöfe wichtige Spielräume für dringend notwenige Investitionen erhalten“. Das Wahlkampfziel von CSU und FDP, auch für Restaurants und Gaststätten den ermäßigten Mehrwertsteuersatz anzuwenden, wurde bisher allerdings nicht erreicht.

Neue Präsidentin des Kneipp-Bundes

Am 3. Oktober 2009 wählten die Delegierten des Kneipp-Bundes in Bad Wörishofen turnusgemäß ein neues Präsidium. In einer Kampfabstimmung setzte sich Marion Caspers-Merk (SPD), in der Großen Koalition Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit, gegen den seit 1997 amtierenden Präsidenten Ulf Fink, Senator a. D. aus Berlin, durch. Zu Vizepräsidenten wurden Ingeborg Pongratz aus Landshut und Peter Zizmann aus Hechingen in Baden-Württemberg gewählt.

Reha muss selbstverständlich werden

Schon zwei Wochen vor der Bundestagswahl, am 12. September 2009, brachten beim Deutschen Reha-Tag 22 Verbände, Institutionen und Organisationen sowie über 200 Kliniken und Einrichtungen der Rehabilitation in Deutschland mit Informationsständen, Tagen der offenen Tür, Vorträgen und Diskussionen ihre Anliegen in die Öffentlichkeit. In einem Positionspapier wurde gefordert, die Rahmenbedingungen für die Rehabilitation zu optimieren, um sie vor dem Hintergrund des demografischen Wandels zukunftsfähig gestalten zu können.

So sei es unbedingt erforderlich, die Möglichkeiten der beruflichen und sozialen Teilhabe durch bedarfsgerechte und solidarisch finanzierte Reha-Leistungen auch in Zukunft zu erhalten. Rehabilitation und der ungehinderte Zugang zu ihren Leistungen müsse zur Selbstverständlichkeit werden. Barrieren zwischen den Sektoren im Gesundheitssystem Deutschlands müssten abgebaut und ein nahtloses Ineinandergreifen von Akutbehandlung, medizinischer, beruflicher, sozialer Rehabilitation und Pflege im Interesse der Menschen sichergestellt werden. Gleichzeitig seien Maßnahmen notwendig, um das betriebliche Eingliederungsmanagement, insbesondere in der mittelständischen Wirtschaft, zu stärken.

"Behindert ist man nicht – behindert wird man!"

Ein besonderer Schwerpunkt beim Reha-Tag galt der UN-Behindertenrechtskonvention. Unter dem Motto "Behindert ist man nicht – behindert wird man!" warben viele Veranstaltungen für die Integration von Menschen mit Behinderungen und einen angemessenen Umgang mit Behinderungen in unserer Gesellschaft. Es gehe darum, die Menschen für Barrieren im Alltag zu sensibilisieren, die die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für Einzelne erschweren oder gar unmöglich machen.

"Ambulante Badekur als Pflichtleistung"

Auf den Tag der Bundestagswahl fiel in diesem Jahr der Weltherztag - was ja durchaus einen Blick auf gesundheitliche Zukunftsperspektiven richten könnte. Dazu forderte der Kurdirektor von Bad Feilnbach, Sepp Höfer, vom neuen Bundestag, die ambulante Badekur von einer Kann- in eine Pflichtleistung umzuwandeln, bei Auslandskuren die Qualitätsansprüche nach dem deutschen Qualitätsstandard zu prüfen und vor allem die Heilbäder bei Gesundheitsförderung und Prävention im Gesetz zu benennen.

Heilklimatische Bewegungs- therapie immer wichtiger

Zunehmende Bedeutung im Therapieangebot hat die Bewegungskur im Heilklima bekommen. Noch vor wenigen Jahrzehnten wurden die Heilklimatischen Kurorte vielfach nicht so ganz ernst genommen. Heute erfüllen über 50 klimatisch bevorzugte Orte die strengen Voraussetzungen, und 15 davon gehören mit ganz besonderen Qualitätskriterien sogar zur Premium Class.

Zum Beispiel Garmisch-Partenkirchen, wo einst die Heilklimatische Bewegungstherapie erfunden und wissenschaftlich untermauert wurde. Bei dieser besonderen Art der ambulanten Kurform wird mit Hilfe eines ausgebildeten Klimatherapeuten durch leistungssteigernde Wanderungen unter ständiger Kontrolle der körpereigenen Vitalfunktionen ein langanhaltender Kurerfolg erzielt, wie Garmisch-Partenkirchens Tourismusdirektor Peter Ries dem DHV-Newsletter erläuterte. Wer keine Kur braucht, dem werden pro Woche zwei klimatherapeutische Wanderungen zum Schnuppern angeboten.

Nach den turbulenten politischen Wochen kann man nun also wieder durchatmen - zumindest im Heilklima. dö/ass

 
 
   


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